fällt am 19.3.2020 aus, Ersatztermin wird bekannt gegeben, FH Erfurt (Altonaer Str. 25), Café Aquarium
Klassismus - (k)ein Thema für die Soziale Arbeit. Überlegungen zu einer verschleierten Diskriminierungsform
Die soziale Herkunft ist als Diskriminierungsform im Kontext der Wissenschaft Soziale Arbeit zwar mittlerweile angekommen und diskutiert, gleichwohl ist wenig über ihre verschleierten (Abwertungs-)Mechanismen bekannt. Für eine analytische Auseinandersetzung und empirische Forschung mit diesem Gegenstand stellt sich jedoch sowohl die Frage nach den Wirkungsebenen (Struktur vs. Lebenspraxis) als auch nach einer sinnvollen Begriffssetzung, um diese Gewaltform zu benennen. Im Vortrag wird zum einen ein Vorschlag unterbreitet, der den oben genannten Antagonismus auflösen kann, als auch der kontrovers diskutierte Terminus Klassismus einsortiert.

Vortrag mit Philipp Schäfer

fällt am 2.4.2020 aus, Ersatztermin wird bekannt gegeben, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Repression und Widerstand in den USA II: Filmabend With Babies and Banners
With Babies and Banners ist ein Dokumentarfilm von 1979 unter der Regie von Lorraine Gray über den General-Motors-Streik in Flint, Michigan in den Jahren 1936-1937.

Der Streik ging mit einer Besetzung der Fabrik einher und wurde letztlich gewonnen: Die Arbeiter*innen erhielten eine Lohnerhöhung von 5% und durften während des Mittagessens reden. Noch wichtiger war das Ergebnis, dass die Gewerkschaft UAW dadurch ihre Handlungsfähigkeit zeigen konnte, was in den kommenden Jahren dazu führte, dass die Mitgliedschaft sich von 30.000 auf 500.000 erhöhte.

Der beeindruckende Film stellt anhand von Archivmaterial und Zeitzeuginnengesprächen die Rolle der beteiligten Frauen in den Mittelpunkt.

Zweiter Teil der Reihe "Repression und Widerstand in den USA - Geschichte und Gegenwart"

Die Reihe ist eine Kooperation von Biko, Offene Arbeit Erfurt und Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
mehr: Wikipedia-Eintrag zum Film

fällt am 7.4.2020 aus, Ersatztermin wird bekannt gegeben, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
"Dietrich Bonhoeffer" - Filmabend und Gespräch
"Im Focus - vielfältiger Widerstand gegen den Nationalsozialismus"
In dieser 4teiligen Veranstaltungsreihe wollen wir 75 Jahre nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus auf den Widerstand von einzelen Menschen und Gruppen hinweisen und diesen würdigen. Porträtiert werden diese Menschen in Filmen und in der anschließenden Gesprächsrunde.

Eine Kooperationsveranstaltung des Bildungskollektives, der Offenen Arbeit Erfurt und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
mehr: Biko

16.04.2020, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Kommunismus als Massenbewegung in der Weimarer Republik
Die KPD der Weimarer Republik war zeitweise die größte ausserhalb der Sowjetunion. Obwohl sie ihren Anspruch, die Sozialdemokratie zu überflügeln, nie einlösen konnte, zählten ihre Mitglieder nach Hundertausenden und Millionen Wähler kreuzten bei Wahlen KPD an. Dies war nur möglich durch eine tiefe Verankerung in proletarischen Milieus, durch Vorfeldvereinigungen die von Sport- und Gesangsvereinen bis hin zu Radio- oder Schriftstellerbünden reichten. Doch linksradikale Abenteuer wie der gescheiterte Putsch der Märzaktion 1921 oder der „Hamburger Aufstand“ von 1923 kosteten die KPD schon früh Verankerung und Vertrauen, ab 1925 gab sie ihre Eigenständigkeit in einem Widersprüchlichen Prozess der Stalinisierung immer weiter auf. Sie blieb auch in der Endkrise der Weimarer Republik Massenpartei, konnte jedoch autoritär geführt, dogmatisch erstarrt und letztlich fremdbestimmt durch Moskauer Anweisungen keine Wege aufzeigen, die die Arbeiterbewegung aus der Weltwirtschaftskrise geführt und die faschistische Machtübernahme verhindert hätten.

Als Kurze Geschichte der KPD versucht dieser Vortrag, die Erfolgs- und Aufstiegsbedingungen, aber auch das Scheitern der KPD an ihren eigenen Ansprüchen deutlich zu machen.

Ralf Hoffrogge ist Historiker und Mit-Herausgeber des Sammelbandes „Weimar Communism as Mass Movement“, London 2017. (Gemeinsam mit Norman LaPorte)

ACHTUNG: Aufgrund der Corona-Pandemie wird dieser Vortrag per Videostream stattfinden. Wir veröffentlichen den Link zum Stream etwa zwanzig Minuten vor Veranstaltungsbeginn auf spektakel.blogsport.de und auf acc-weimar.de - Im Anschluss an den Vortrag werden Nachfragen an den Referenten möglich sein.

Die Veranstaltung ist teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" - eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
mehr: Kunst, Spektakel & Revolution

20.04.2020, 20:00 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
"Georg Elser" - Filmabend und Gespräch
Johann Georg Elser war ein deutscher Kunstschreiner und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.
Am 8. November 1939 führte er im Münchner Bürgerbräukeller ein Bomben-Attentat auf Adolf Hitler und nahezu die gesamte nationalsozialistische Führungsspitze aus, das nur knapp
scheiterte.

"Im Focus - vielfältiger Widerstand gegen den Nationalsozialismus"
In dieser 4teiligen Veranstaltungsreihe wollen wir 75 Jahre nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus auf den Widerstand von einzelen Menschen und Gruppen hinweisen und diesen würdigen. Porträtiert werden diese Menschen in Filmen und in der anschließenden Gesprächsrunde
mehr: Biko

21.04.2020, 20:00 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
"Sabotatori - Italienische Partisanen" - Filmabend und Gespräch
Was bedeutet es, heute Antifaschist zu sein? Was bedeutet es, 70 Jahre nach der Befreiung zu überleben? Das fragt der Film „Sabotatori“ anhand der Geschichte des Zeitzeugen und ehemaligen italienischen Partisanen Fernando Cavazzini, Deckname „Toni“. Seine Geschichte vermischt sich im Film mit denen dreier junger Menschen von heute, die auf den „Partisanenpfaden“ in den Bergen der Emilia Romagna wortwörtlich in Tonis Fußstapfen treten.

"Im Focus - vielfältiger Widerstand gegen den Nationalsozialismus"
In dieser 4teiligen Veranstaltungsreihe wollen wir 75 Jahre nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus auf den Widerstand von einzelen Menschen
und Gruppen hinweisen und diesen würdigen. Porträtiert werden diese
Menschen in Filmen und in der anschließenden Gesprächsrunde
mehr: Biko

23.04.2020, 19:30 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Repression und Widerstand in den USA III: Joe Hill - Leben und Sterben eines Revolutionärs
Mit Ingar Solty, Institut für Gesellschaftsanalyse der
Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin

Sacco und Vanzetti, Jules und Ethel Rosenberg, Angela Davis, Leonard Peltier, Mumia Abu-Jamal? Wer kennt sie hierzulande nicht - die großen politischen Gefangenen in der US-Geschichte, die als Opfer einer politischen oder gar Klassenjustiz gehandelt werden? Nicht zuletzt durch die Vermittlung über die Kunst haben Millionen von Menschen weltweit an ihrem Schicksal teilgenommen.
Aber wer in Deutschland kennt eigentlich oder erinnert sich noch an Joe Hill, der als Arbeiterführer, Gewerkschaftslegende und Singer/Songwriter schon zu Lebzeiten eine Legende war und 1915 nach einem kandalösen
Mordprozess hingerichtet wurde? Die Veranstaltung will an das Leben und Sterben von Hill erinnern und auf der Grundlage der neuesten Forschungsergebnisse auch die Schuldfrage klären: Joe Hill, Märtyrer oder vielleicht doch Mörder?

Dritter Teil der Veranstaltungsreihe „Repression und Widerstand in den USA - historische und aktuelle Momente“

Eine Kooperation von Biko, RLS Thüringen und Offene Arbeit Erfurt
mehr: Biko

April/Mai, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Repression und Widerstand in den USA IV: Black Lives Matter
Vierter Teil der Reihe "Repression und Widerstand in den USA - Geschichte und Gegenwart", Referent*in und genaue Inhalte in Kürze

Die Reihe ist eine Kooperation von Biko, Offene Arbeit Erfurt und Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.

24.04.2020, 12:00 Uhr, global und ... Erfurt, Anger
Globaler Klimastrik
Die Brände in Australien und im Amazonas, die Dürren in Florida und Kenia, die Überschwemmungen von Tuvalu und Venedig sind nur einige Beispiele für die schreckliche Realität der Klimakrise für Millionen von Menschen. Dagegen werden weltweit am 24. April hunderttausende Menschen streiken und den Druck auf die reaktionären Kräfte noch größer machen. Wenn die Bundesregierung im Kampf gegen die Klimakrise versagt, die Verkehrswende blockiert und allen Ernstes 2020 mit Datteln IV noch ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen lassen will, sagen wir laut und deutlich: NICHT MIT UNS!

28.04.2020, 20:00 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
"Die weiße Rose" - Filmabend und Gespräch
Die Weiße Rose ist ein Freundeskreis um die Studenten Hans Scholl und Alexander Schmorell. Ab Sommer 1942 rufen sie in München mit Flugblättern gegen die NS-Diktatur und zur Beendigung des Krieges auf. Auch in anderen deutschen Städten schließen sich HelferInnen der Widerstandsgruppe an; Ende 1942 auch Professor Kurt Huber. Vom Widerstandskreis der Weißen Rose werden sieben Personen von der NS-Justiz ab Februar 1943 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Rund 60 Mitstreiter werden in mehreren Prozessen angeklagt und zum Teil zu langen Haftstrafen verurteilt.

"Im Focus - vielfältiger Widerstand gegen den Nationalsozialismus"
In dieser 4teiligen Veranstaltungsreihe wollen wir 75 Jahre nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus auf den Widerstand von einezlen Menschen
und Gruppen hinweisen und diesen würdigen. Porträtiert werden diese
Menschen in Filmen und in der anschließenden Gesprächsrunde.

Eine Kooperationsveranstaltung des Bildungskollektives, der Offenen Arbeit Erfurt und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
mehr: Biko

30.04.2020, 18:00 Uhr, Treffpunkt: Bahnofsvorplatz, Erfurt
Stadtrundgang "Erfurt im Nationalsozialismus"
Öffentlicher Mahngang der Projektgruppe "Erfurt im Nationalsozialismus" zum Thema "Erinnern heißt handeln" am Vorabend des 1. Mai
mehr: Webseite der Projektgruppe

07.05.2020, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Revolutionsversuche in Gesellschaft und Kunst: Anarchismus, Bauhaus, Dada
Vorläufiger Ankündigungstext: Die Weimarer Republik ist aus der Novemberrevolution hervorgegangen. Aber die Novemberrevolution war eine unvollendete geblieben: Die Forderungen nach einer Sozialisierung wichtiger Industriezweige, nach einer umfassenden Selbstverwaltung der Produktion durch die Arbeiterinnen und Arbeiter oder nach der Entmachtung des alten Militarismus blieben unerfüllt. Dass die Novemberrevolution unvollendet blieb ist auch Vorbedingung für den Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung. Aber der Fortgang der Geschichte blieb auch in der Weimarer Republik umkämpft. In Gesellschaft und Kunst wurden Impulse aus der Novemberrevolution aufgegriffen und weiterentwickelt. Dies soll im Vortrag an drei Beispielen verhandelt werden: Anarchismus, Bauhaus, Dada. Innerhalb des Anarchismus wurden Gesellschaftsvorstellungen jenseits von Zwangskollektivierung und Vereinzelung entwickelt - dafür beispielgebend sollen hier die Ansätze Gustav Landauers skizziert werden. Im Bauhaus waren durchaus sozialistische Vorstellungen präsent, die eine Aufhebung der Klassengegensätze parallel zu einer Aufhebung des Gegensatzes von Industrie und Kunsthandwerk vorstellten. Und der Dadaismus richtete seinen Angriff gegen den verlogenen bürgerlichen Mief der Weimarer Republik, um den Gedanken umfassender Befreiung spürbar zu machen.

Michaela Ott ist Professorin für Ästhetische Theorien an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Die Veranstaltung ist teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" - eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
mehr: Kunst, Spektakel & Revolution

7.-9.5.2020, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Werkstatt 2020: "Zusammenstehen - miteinander für eine solidarische Gesellschaft"
Die jährliche Werkstatt der Offenen Arbeit Erfurt steht dieses Jahr unter dem Motto "Zusammenstehen - miteinander für eine solidarische Gesellschaft". Vom 7.-9.5.2020 wird es Vorträge, ein Konzert, ein Kinderfest, Schwarzlichttheater, Café und mehr geben.
mehr: Webseite der Offenen Arbeit

14.05.2020, 19:30 Uhr, tba
Leseabend: Esoterik und Verschwörungstheorien - ist doch lächerlich?
Die Medienlandschaft ist voll mit lustigen, auch gefährlichen Verschwörungstheorien und das Bedürfnis nach Esoterik lässt sich einfach in der Drogerie um die Ecke bedienen. Eine wichtige Figur ist dabei immer noch der Begründer der Anthroposophie Rudolf Steiner.

Steiner glaubte an höhere und niedere Rassen, ätherische Welten und konnte mit Hilfe der Akasha-Chroniken wahrsagen. Noch heute rühren Anthroposoph*innen im Mondschein sieben Mal in Uhrzeigersinn in der Gießkanne, um das Blumenwassser zu astralisieren. Weniger witzig ist, dass solche und ähnliche Vorstellungen Grundlage des pädagogischen Konzepts staatlich anerkannter Erstatzschulen sind.

Anlässlich des 75. Todestags von Rudolf Steiners laden wir zur gemeinsamen Lektüre und humoristisch-kritischen Auseinandersetzung mit esoterischen und verschwörungstheoretischen Theoriefragmenten.
Gerne könnt ihr eigene Textbeispiele mitbringen.

28.05.2020, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Die proletarische Revolution, das Buch und der Malik Verlag
Entweder für seinen Schatz verlegerischer Anekdoten oder für hochpreisige Liebhaberstücke in ausgesuchten Antiquariaten ist der Malik Verlag den meisten heutzutage noch bekannt. In Berlin während des Ersten Weltkriegs entstanden und im Londoner Exil während des NS aufgelöst, wollten die Gründer des Verlags - die Geschwister Wieland Herzfelde und John Heartfield im Bunde mit George Grosz - jedoch die Welt nicht mit bibliophilen Gegenständen bereichern, sondern mit einer Revolution ändern. Diese sollte proletarischer Art sein, politische und ökonomische Unfreiheit beseitigen, bürgerliche Gesellschaft und Patriotismus überwinden und sie sollte mit den Mitteln der Kunst und Literatur vorbereitet werden. Ein widersprüchliches Vorhaben, an dem sich der Malik Verlag fortwährend rieb und das ihm beachtenswerte verlegerische Einfälle bescherte. Der Erfolg war immens. Selbst das bürgerliche Publikum, das eher dem Goethe’schen Kunstideal „Der Dichter schwebet über den Parteien“ nachhing, konnte sich für die Grafikmappen von Grosz, die Buchcover von Heartfield und die von Herzfelde aufgestellten Literaturprogramme erwärmen. Sie machten Malik zum erfolgreichsten linken Verlag der Weimarer Republik.

Steffen Hendel, Mitarbeiter im Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, zeichnet das politische Vorhaben des Malik Verlags an dessen literarischen Programm und an den gestalterischen Innovationen nach.

Die Veranstaltung ist teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" - eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
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11.06.2020, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Geschichten vom Torpedokäfer - Franz Jung
Franz Jung veröffentlichte 1912 seine ersten Texte als expressionistischer Autor in den Zeitschriften „Der Sturm“ und „Die Aktion“. Geriet dann in die dadaistischen Kreise um Wieland Herzfelde und betrat die Bühne der Weimarer Republik als Revolutionär, den die Ereignisse an alle möglichen Orte des Aufruhrs führten, u.a. zu den mitteldeutschen Märzkämpfen 1921. Er gehört zu den Mitbegründern der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands - KAPD - einer rätekommunistischen Abspaltung von der KPD. Während es seine beeindruckende Autobiographie mit dem Titel „Der Weg nach unten“ zu einiger Bekanntheit gebracht hat, sind seine Romane und sein Essay „Die Technik des Glücks“ (erschienen im Malik-Verlag, zu dessen Netzwerk Jung gehörte) heute kaum bekannt. Der Vortrag zeichnet Jung als Literaten und radikalen Linken nach.

Andreas Hansen ist Literaturwissenschaftler und arbeitet zur Avantgarde und zur proletarisch-revolutionären Literatur des 20. Jahrhunderts. Von 1997 bis 1999 war er Redakteur der Zeitschriften Sklaven, Sklaven-Aufstand und Die letzten Sklaven; von 1999 bis 2007 Redakteur des Nachfolgeblatts Gegner; seit 2008 Redakteur der Zeitschrift floppy myriapoda. Seit 2016 ist er Mitherausgeber der Zeitschrift P(I)RART.

Die Veranstaltung ist teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" - eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
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13.06.2020
Revolutionäre Theorie am Nullpunkt - gibt es eine Linie Korsch-Bordiga?
Wochenendworkshop mit Felix Klopotek - Sa 13.06. / So 14.06.2020

Karl Korsch (1886-1961) und Amadeo Bordiga (1889-1970) gelten mit ihrer frühen Kritik an der Degeneration der Kommunistischen Internationale und der aufgezwungenen Bolschewisierung aller ihrer Sektionen als unbedingte Vertreter einer internationalistischen, sich nicht der Hegemonie Moskaus unterwerfenden Kommunismus. Das Bündnis zwischen ihren Fraktionen in Italien und Deutschland konnte nach 1926 aber nicht vertieft werden, jede weitere Diskussion wurde durch die hereinbrechende Gewalt von Stalinismus und Faschismus unterdrückt. Korsch und insbesondere Bordiga wurden vom „offiziellen“ Kommunismus zu Unpersonen erklärt.
Untergründig wirkten ihre Thesen und ihr Denkstil fort - so wurde Korsch von Brecht zu seinem „marxistischen Lehrer“ erkoren und Bordiga später einer der (wiederum nie anerkannten) Stichwortgeber des Operaismus.

Nach dem zweiten Weltkrieg zogen die verfemten Revolutionäre Bilanz: Am 4. September 1950 skizzierte Karl Korsch während einer Diskussion in Zürich „Zehn Thesen über Marxismus heute“. Die später berühmt gewordenen Thesen kann man als kommunistischen Revisionismus des Marxismus verstehen: Dem Marxismus wird das Privileg, die angemessene Theorie revolutionärer Arbeiterbewegungen zu sein, bestritten.
Fast auf den Tag genau zwei Jahre später stellte Amadeo Bordiga auf einer Versammlung der Internationalistischen Kommunistischen Partei in Mailand Thesen zur „historischen ’Invarianz’ des Marxismus“ vor. Man erkennt in diesem Text in jeder Zeile die Gegenposition zu Korsch, es ist, als hätte Bordiga direkt auf Korsch geantwortet. Denn Bordiga besteht auf der unbedingten Einheit von kommunistischer Praxis und marxistischer Theorie, jeden Revisionismus verteufelt er geradezu. Er konnte die Thesen von Korsch allerdings gar nicht kennen!

Der Ausgangspunkt von Korsch und Bordiga, so wird zu zeigen sein, war derselbe: der Kampf gegen die bolschewistische Verballhornung der revolutionären Arbeiterbewegung und ihrer Theorie. Doch wie kamen sie dann nach 1945 zu so konträren Positionen? Korschs und Bordigas Thesen im Zusammenhang zu diskutieren, ist mehr als nur ein Akt der historischen Philologie. Beide wussten, dass sie sich am Nullpunkt revolutionärer Theorie befanden. Sie stellten sich frei von taktischen Erwägungen der Frage, ob und in welchem Umfang eine revolutionäre Praxis theoriegeleitet zu sein hat. Darin liegt das Unabgegoltene ihrer Thesen: Sie ist bis heute die Zentralfrage des Marxismus geblieben.

Um sich ihr zu nähern, wird ein Rückgriff auf Brechts „korschistischen“ Marxismus nötig sein - und auch ein Blick auf Marx selbst.

Felix Klopotek lebt und arbeitet in Köln. Aktuell hat er seine für die „theorie.org“-Reihe angekündigte Einführung in Geschichte und Theorie des Rätekommunismus abgeschlossen, sie erscheint im Herbst.

Wir bitten um eine Anmeldung per Email: biko[at]arranca.de Die Zahl der TeilnehmerInnen ist auf 15 Personen beschränkt, sollten sich mehr Leute anmelden, wird es eine quotierte Vergabe geben. Informationen über den Veranstaltungsort und einen Reader erhaltet ihr nach Anmeldung. Die Lektüre des Readers ist Voraussetzung zur Teilnahme am Workshop.

Die Veranstaltung ist teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" - eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
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25.06.2020, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Esoterisch im Ausdruck, radikal im Gedanken - Else Lasker-Schüler
Vortrag von Julia Ingold

Die eindrücklichsten Äußerungen radikaler Kunst stecken häufig nicht in Inhalten, sondern in der Existenz der Werke überhaupt. Allein der praktische Lebensentwurf der alleinerziehenden jüdischen Frau und freien Künstlerin Else Lasker-Schüler (1869-1945) ist in seiner Konsequenz und Kompromisslosigkeit von beeindruckender Radikalität. Dagegen verblassen explizit ausgesprochene Botschaften. Lasker-Schüler äußert sich in einem ihrer Texte kulturpolitisch. Das Manifest Ich räume auf! Meine Anklage gegen meine Verleger zeugt von der prekären Existenz freier Künstler*innen in der Weimarer Republik. Hellsichtig führt Lasker-Schüler das Problem darauf zurück, dass in einer zweckorientierten, kapitalistischen Gesellschaft nur überlebt, wer eine gefragte Ware feilbieten kann. Doch eigentlich ist all das nur ein Vorwand der Dichterin, Graphikerin und Performance-Künstlerin die eigene Position und die eigene subalterne Stimme im literarischen Feld zu sichern. Lasker-Schülers Politik liegt nicht so sehr in der Bedeutung ihrer Worte, sondern vielmehr darin welche Worte und Motive sie überhaupt wählt und kombiniert. Sie hat eine große Schwäche für alles Geringgeschätzte und nichts als spöttische Ironie für das Erhabene übrig. So stellt ihre Kunst radikal Machtverhältnisse und Diskurshoheiten in Frage - indem sie deren Sturz praktisch mit ihrem eigenen Material vorführt.

Julia Ingold ist Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin. Sie arbeitet am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Literaturvermittlung der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Seit 2014 gibt sie zusammen mit Kolleg(inn)en CLOSURE - Kieler e-Journal für Comicforschung heraus.

Die Veranstaltung ist teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" - eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
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23.07.2020, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Ein Leben mit und gegen Kommunisten - Ruth Fischer und ihre Zeit
Ruth Fischer (1895-1961) gehörte einst zu den prominentesten Frauen Deutschlands und Europas. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg war sie Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Österreichs, wurde berühmt als Führerin der KPD und war nach 1945 eine Hauptfigur des antikommunistischen Kreuzzuges in den USA, wo sie auch ihre beiden Brüder Hanns (1898-1962) und Gerhart Eisler (1897-1968) belastete. Am Ende ihres Lebens aber hoffte sie, dass die Sowjetunion zu einer demokratischeren Variante des Kommunismus finden werde.

Prof. Dr. Mario Keßler ist Historiker und Mitglied am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam.

Die Veranstaltung ist teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" - eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
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06.08.2020, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Reproduktion und Produktionsästhetik - Lu Märten
(Vorläufiger Titel)

Lu Märten (1879-1970) entwickelte eine historisch-materialistische ästhetische Theorie, war neben ihrer theoretischen Arbeit journalistisch, dramatisch und lyrisch tätig. Zwischen 1906 und 1987 wurden ihre (frauenrechtlichen) sozial- und kulturkritischen Texte für Organe und Medien der Frauen- und Arbeiterbewegung veröffentlicht, in der sie sich politisch wie theoretisch engagierte. Sie trat während des Kaiserreichs 1903 der SPD und während der Weimarer Republik 1920 der KPD bei. Zum einen formulierte sie den Anspruch der gewerkschaftlichen Organisierung von KünstlerInnen, zum anderen entwickelte sie eine radikale Produktionsästhetik, die eine gegenseitige Aufhebung von industrieller und künstlerischer Produktion vorsah. Dafür stellte sie auch das Geschlechterverhältnis und den ArbeiterInnenalltag ins Zentrum ihrer Analyse. Lu Märtens Denken beeinflusste damit u.a. die tschechische Poetismus-Avantgarde-Bewegung, das Bauhaus und die marxistische Theoriebildung, da sie als Erste die historisch-materialistische Methode des Marxismus auf den Kultur- und Kunstbereich anwandte.

Im Zentrum des Vortrages steht ihr Text ›Die Künstlerin‹, welcher 1919 erstmals veröffentlicht wurde. ›Die Künstlerin‹ umfasst eine geschlechtsspezifische Betrachtung der Kunstproduktion, Arbeitsteilung, Maschinenarbeit und deren Zusammenhänge. Daraus entwickelt sie ihre Forderung, dass Frauen sich als Subjekte ästhetischer Prozesse begreifen. Am Vortrags-Abend widmen sich Alexandra Ivanova und Anne Hofmann experimentierend den ästhetisch-theoretischen Konzepten sowie der literarischen Arbeit Lu Märtens.

Alexandra Ivanova ist Soziologin und Autorin, u.a. für die Zeitschrift outside the box - Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik Leipzig. Anne Hofmann ist Bildende Künstlerin, Redakteurin, Autorin und Gestalterin der Zeitschrift outside the box - Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik Leipzig.

Die Veranstaltung ist teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" - eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
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