29.07.2021, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Music of the Living Dead
Im Heavy Metal der 80er Jahre besingen Männer mit langen Haaren und schmierigen Lederkutten den dunklen Lord, er möge ihnen einen Pakt anbieten, um den eigenen Tod besiegen und an seiner Allmacht partizipieren zu können - und das nicht selten im Falsett. Dem Teufel Frauen zu opfern, gilt als das bestialische Äquivalent, das zu erbringen die eisernen Männer sich willfährig bereit erklären.

Im Brutal Death Metal Mitte der 90er - der wohl krassesten, substilistischen Ausformung des Heavy Metals - gibt man sich oft mit Glatzen, düsteren Mienen und dicken, tätowierten Armen zwar männlicher als je zuvor, aber eben auch säkular und profan. Töten mit Hacken, chirurgischen Instrumenten und nicht zuletzt mit dem eigenen Genital setzt sich hier als Selbstzweck. Das Unwesen, welchem man sich hier anzuverwandeln versucht, ist das Kapital selbst nach der Seite seiner technischen Zusammensetzung: die maschinellen Produktionsmittel, das tote Kapital. Seinem blinden Voranschreiten gleich zu werden, darin feiert das männliche Subjekt des Brutal Death Metal einerseits seinen Sieg über seine sterbliche Natur. Am Instrument als Naturbeherrscher und als beherrschte Natur zugleich gerät es aber in einen Widerspruch mit sich selbst und zelebriert andererseits seinen eigenen Tod.

So erklingt im Brutal Death Metal sowohl stets eine Spannung zwischen Maschinellem und Organischem als auch der Versuch, ihre Differenz zu tilgen. Dafür büßen, dass der Versuch misslingt, sich über das natürliche Leben zu erheben, muss: die Frau. Darin erweist man sich jeder Säkularisierung zum Trotz als traditionalistisch.

War der Zombie schon immer der Ausdruck dafür, dass sowohl Leben und Tod des Menschen sich nicht mehr recht unterscheiden lassen als auch für dessen blindes Weitermachen ohne Grund (denn der Zombie frisst nur um zu fressen, weil er nicht verhungern kann) so lässt sich Brutal Death Metal als die Musik von Untoten begreifen. Zur Behandlung dieser These wird sich im Vortrag vor allem auf die Analyse des musikalischen Materials bezogen. Neben einer musikgeschichtlichen Einordnung des Brutal Death Metal werden Szene-übliche Accessoires, Hörbeispiele und Videos präsentiert - und ‚live‘ Gitarre gespielt.

Patrick Viol ist u.a. Autor des Extrablatts und Autor des Artikels „Music Of The Living Dead. Die Angleichung von Leben und Tod im Brutal Death Metal“.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" und ist eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen. Bitte achtet auf Ankündigungen im Netz: Die Veranstaltungsreihe ist als Mischform aus Online- und Präsenzveranstaltungen geplant. Corona-bedingt kann es zu Änderungen kommen.
mehr: Kunst, Spektakel & Revolution

11.08.2021, 20.00 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Wer die Erinnerung nicht kennt, kann die Zukunft nicht verändern. Erinnerung an den Nationalsozialismus zwischen linkem Aktivismus und Menschenrechtspädagogik
Die Veranstaltung findet vor Ort und digital statt. Weitere Infos finden
sie demnächst auf unserer Website http://biko.arranca.de/

Die Erinnerung an den Nationalsozialismus hat in der Bundesrepublik einen festen gesellschaftlichen Stellenwert: Dies findet nicht nur in regelmäßigen staatlichen Gedenkveranstaltungen seinen Niederschlag,sondern auch in der finanziellen staatlichen Unterstützung von Projekten im Rahmen der Dem okratieförderung sowie der Finanzierung von NS-Gedenkstätten und ihrer pädagogischen Arbeit. Dennoch ist das Feld der Erinnerungspolitik an den Nationalsozialism umkämpft. Denn zum einen haben viele Erinnerungsorte eine oft lange, wechselvolle Geschichte und mussten von Überlebenden, ihren Angehörigen und linken Aktivist*innen überhaupt erst erstritten werden. Zum anderen wird die Frage, warum, aus welcher Perspektive und mit welcher Zielsetzung an den Nationalsozialismus erinnert werden soll, unterschiedlich beantwortet. Zusätzlich komm t es in den letzten Jahren vermehrt zu einem erinnerungspolitischenRollback mit dem Ziel, die Erinnerung an den Nationalsozialismus und seine Verbrechen zurückzudrängen und Geschichte wieder stärker in ein rechtes nationales (Erfolgs-) Narrativ zu stellen. In einer Abendveranstaltung wollen wir uns mit diesem Spannungsfeld beschäftigen und fragen, was eine linke sowohl aktivistische als auch bildungspolitische Perspektive auf den NS von einer menschenrechtsorientierten, staatlich geförderten Perspektive unterscheidet. Wir wollen fragen, welche Funktion die Erinnerung hat, wie sie ausgestaltet sollte und wie sie gegen Angriffe von rechts verteidigt werden kann. Nicht zuletzt soll es auch um die Frage gehen, in welchem Verhältnis die Erinnerung an den Nationalsozialismus zu anderen um kämpftenThem en wie die deutsche Kolonialgeschichte oder die Erinnerung an rechtsterroristische Taten wie des NSU stehen. In einem Gesprächsabend mit zwei Gesprächspartnerinnen, die sich sowohl aktivistisch als auch pädagogisch mit dem NS beschäftigen, aber verschiedenen politischen Generationen entstammen, wollen wir Kontinuitäten und Veränderungen in der Erinnerungspolitik auf die Spur kommen.

Veranstaltet von der Projektgruppe Erfurt im Nationalsozialismus und dem Bildungskollektiv BiKo, gefördert durch den LAP Erfurt.

23.09.2021, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Geschichte von Unten - Die Romane des Autorenkollektivs Wu Ming
Der Roman „Q“ machte das Kollektiv Wu Ming (damals Luther Blissett) berühmt. Es folgten weitere Romane, die alle das gleiche Ziel vertraten: Eine andere Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte aus der Sicht der Besiegten, der unbekannt gebliebenen Revolutionäre. Dies nicht als historische Abhandlung, sondern als spannend erzählte Geschichte(n). Der Vortrag soll eine Übersicht über die erschienenen Bücher, ihre Inhalte und Held*innen vermitteln.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Offenen Arbeit Erfurt und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen statt.

30.09.2021, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Mexico - Nach der Wahl von AMLO zum Präsidenten.
Die Staaten Mittel- und Südamerikas bleiben in Bewegung. Rechte, zum Teil faschistoide Regierungen stehen starken sozialen, indigenen und feministischen Bewegungen gegenüber. Die linken Regierungen der 2000er Jahr haben sich entweder neoliberal „gewendet“ (Ecuador, Uruguay), ihre Ideale „vergessen“ (Bolivien) oder ihren Staat in Grund und Boden gewirtschaftet (Venezuela). Die Linke Lateinamerikas befindet sich wieder einmal in einem Suchprozess.

Mexico - Nach der Wahl von AMLO zum Präsidenten.
Die vielen ungelösten Probleme: Trumps Mauer, Drogenkrieg, Zapatistas…

Die Veranstaltung wird vom Bildungskollektiv Biko in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und der Offenen Arbeit Erfurt durchführt.