Sommer 2021, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
»Zukunft Menschheit?«
Bio- und Nanotechnologie, Künstliche Intelligenz, die Zerstörung der Umwelt (nicht zuletzt durch den menschengemachten Klimawandel): zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit fanden wohl so viele tiefgreifende Veränderungen statt wie heute. Der technische Fortschritt im Kapitalismus trägt ebenso dazu bei wie die ihn begleitenden Krisenprozesse. Mit der Veranstaltungsreihe »Zukunft Menschheit?« will das Bildungskollektiv Biko den ganz großen Bogen schlagen: vom Neolithikum bis ins heutige Anthropozän und darüber hinaus. In fünf Veranstaltungen werde wir Blicke auf die Geschichte der Menschheit, aktuelle technologische Entwicklungen und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen werfen, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit oder völlige Durchdringung der Themen zu erheben. Die Reihe ist eine Einladung zur Diskussion - in Zeiten der Pandemie und der multiplen Krise des Kapitalismus. Es geht dem Bildungskollektiv nicht um eine dystopische Erzählung, sondern um einen Beitrag zu einer gesellschaftlichen Debatte über eine Zukunft von Emanzipation, Befreiung und Überleben.

Die erste Veranstaltung widmet sich am 35. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl einem Ereignis, durch das nicht zum ersten Mal, aber mit großer Intensität die Grenzen technologischen Größenwahns deutlich wurde. Der GAU von Fukushima vor 10 Jahren ist ein weiteres Beispiel für die zerstörerische Logik der Produktivkraftentwicklung. Daran, dass Katastrophen heute zum Alltag sehr vieler Menschen, vor allem im globalen Süden, gehören, erinnern Viktoria Postel und Matthias Weiß am 26. April.

Die zweite Veranstaltung stellt das Geschehen in einen sozialhistorischen Rahmen: Wann und unter welchen Umständen begann der Aufstieg der Menschheit zur weltbeherrschenden Spezies und welche Konsequenzen hatte dies langfristig gesehen? Führt der Fortgang der Geschichte in die Katastrophe, ins Nichts oder sind wir als Menschheit in der Lage und bereit, den Gang der Geschichte zu verändern? Bernd Löffler diskutiert diese Frage am 10. Mai als Teil einer großen Menschheitsgeschichte vom Neolithikum zum Anthropozän.

Die folgenden zwei Veranstaltungen diskutieren gegenwärtige (Alb)träume der Technikentwicklung:

Eine Technologie, die alle Menschheitsprobleme lösen soll, ist Künstliche Intelligenz - so zumindest das Mantra von Forscher*innen, Politik und Wirtschaft. Wirklich? Gibt es da nicht noch einige politische Fragen vorher zu diskutieren? Zum Beispiel: was kann, was darf Künstliche Intelligenz? Wem soll sie dienen - dem kapitalistischen Akkumulationszwang oder einer freien Gesellschaft? Wer entscheidet darüber? Welche konkreten Vorstellungen und Vorschläge gibt es jetzt? Und was ist in der Zukunft noch zu erwarten? Über diese und weitere Fragen spricht bei der folgenden Veranstaltung am 11.5. das Çapulcu-Kollektiv.

Cornelia Schadler spricht am 18.5. über Biotechnologie, Transhumanismus, Cyborgs und andere Monster. Es geht um gegenwärtige biotechnologische Entwicklungen und die damit verbundenen Probleme und Hoffnungen: Parallel zur Steigerung der menschlichen Arbeitskraft durch Maschinen entwickeln sich derzeit Technologien, die direkt in die organische Materialität von Menschen und Tieren eingreifen, um deren Produktions- und Reproduktionskraft zu steigern. Das erweitert den planenden Zugriff auf mögliche Formen des Mensch-Seins. Wir diskutieren, welche sozialen Folgen das hat, welche Hoffnungen daran daran geknüpft werden und welche Probleme entstehen.

Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet eine kleine literarische Reise. Wir laden Menschen aus unserem Umfeld ein, eigene Gedanken oder Lesestücke aus den Zukunftsentwürfen verschiedener Autor*innen vorzutragen. Denn die Zukunft der Menschheit sollte doch ein Kunstwerk werden. Oder?

Die Reihe wird vom Bildungskollektiv Biko in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und der Offenen Arbeit Erfurt durchführt.
mehr: http://zukunftmenschheit.arranca.de

Mitte April, Weimar
Stadtführung zu den Orten des Kapp-Lüttwitz-Putsches
Vor 101 Jahren wurde der Generalstreik ausgerufen, um den Putsch von rechten Armeeeinheiten zu verhindern. Vor dem Weimarer Volkshaus wurden neun Arbeiter erschossen.
Wir wollen mit einer historisch-politische Stadtführung unter anderem das Volkshaus, das Denkmal der Märzgefallenen und andere Orte in Weimar besuchen.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen statt.

Die Stadtführung ist für Mitte März geplant, Ort und Zeit wird noch bekannt gegeben.

Wir bitten um Anmeldung: biko@arranca.de

15.04.2021, 19.30 Uhr, online
Widerstand im NS: Italienische Partisanen
In der vierteiligen Filmreihe "Im Fokus" wollen wir 76 Jahre nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus auf den Widerstand von einzelnen Menschen und Gruppen hinweisen und diesen würdigen. Porträtiert werden verschiedene Menschen in Filmen und in der anschließenden Gesprächsrunde.

15.4., 19.30: Italienische Partisanen

Was bedeutet es, heute Antifaschist zu sein? Was bedeutet es, 70 Jahre nach der Befreiung zu überleben? Das fragt der Film „Sabotatori“ anhand der
Geschichte des Zeitzeugen und ehemaligen italienischen Partisanen Fernando Cavazzini, Deckname „Toni“. Seine Geschichte vermischt sich im Film mit denen dreier junger Menschen von heute, die auf den "Partisanenpfaden" in den Bergen der Emilia Romagna wortwörtlich in Tonis Fußstapfen treten. (Filmbeschreibung Sabatori)

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Biko mit der Offenen Arbeit Erfurt und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und findet online statt.
Die Software "Big Blue Button" funktioniert am besten mit einem aktuellen Browser. Wir empfehlen die Nutzung eines Headsets. Ein Klick öffnet den Raum, er ist ab 19.00 freigeschaltet.
mehr: http://widerstand-im-ns.arranca.de

20.04.2021, 19.30 Uhr, online
Widerstand im NS: Georg Elser
In der vierteiligen Filmreihe "Im Fokus" wollen wir 76 Jahre nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus auf den Widerstand von einzelnen Menschen und Gruppen hinweisen und diesen würdigen. Porträtiert werden verschiedene Menschen in Filmen und in der anschließenden Gesprächsrunde.

20.4., 19.30: Georg Elser

Johann Georg Elser war ein deutscher Kunstschreiner und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.
Am 8. November 1939 führte er im Münchner Bürgerbräukeller ein Bomben-Attentat auf Adolf Hitler und nahezu die gesamte nationalsozialistische Führungsspitze aus, das nur knapp scheiterte.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Biko mit der Offenen Arbeit Erfurt und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und findet online statt.
Die Software "Big Blue Button" funktioniert am besten mit einem aktuellen Browser. Wir empfehlen die Nutzung eines Headsets. Ein Klick öffnet den Raum, er ist ab 19.00 freigeschaltet.
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21.04.2021, 20:00 Uhr, Online oder Präsenz
Lu Märten - ›Die Künstlerin‹ (1919)
Vortrag und Lesung mit Anne Hofmann

Lu Märten (1879-1970) entwickelte eine ästhetische Theorie, schrieb neben ihrer theoretischen Arbeit journalistisch, dramatisch und lyrisch. Zwischen 1906 und 1987 wurden ihre (frauenrechtlichen) sozial- und kulturkritischen Texte für Organe und Medien der Frauen- und Arbeiterbewegung veröffentlicht, in der sie sich politisch wie theoretisch engagierte. Zum einen formulierte sie den Anspruch der gewerkschaftlichen Organisierung von KünstlerInnen, zum anderen entwickelte sie eine radikale Produktionsästhetik, die eine gegenseitige Aufhebung von industrieller und künstlerischer Produktion vorsah. Ihre wichtigste Frage war: »Welche Ästhetik braucht die neue Bewegung?«, also welcher »Kunst« (bei ihr: welche Formen) emanzipierte Menschen bedürften und wie sie diese selbst erschaffen. Dafür stellte sie das Geschlechterverhältnis und den ArbeiterInnenalltag ins Zentrum ihrer Analyse. In ihrem Hauptwerk »Wesen und Veränderung der Künste/Formen« entwickelte sie eine ästhetische Theorie, die davon ausging, dass »Kunst« aus den gesellschaftlichen Verhältnissen, ihren technischen und materiellen Voraussetzungen (Produktionsbedinungen) verstanden werden muss - nicht als »Instanz der Repräsentation«. Lu Märtens Denken beeinflusste u.a. die tschechische Poetismus-Avantgarde-Bewegung und das Bauhaus.

Im Zentrum des Vortrages steht ihr Text ›Die Künstlerin‹, welcher 1919 erstmals veröffentlicht wurde. ›Die Künstlerin‹ umfasst eine geschlechtsspezifische Betrachtung der Kunstproduktion, Arbeitsteilung, Maschinenarbeit und deren Zusammenhänge. Daraus entwickelt sie ihre Forderung, dass Frauen sich als Subjekte ästhetischer Prozesse begreifen und entwirft damit erste Ansätze zu einer emanzipatorischen und gesellschaftsverändernden Perspektive auf diese. Anne Hofmann widmet sich experimentierend den ästhetisch-theoretischen Konzepten sowie der literarischen Arbeit Lu Märtens.

Anne Hofmann ist Bildende Künstlerin, Redakteurin, Autorin und Gestalterin der Zeitschrift outside the box - Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik Leipzig.

Eine Kooperation der RLS-Landesstiftungen Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen und des Bildungskollektivs.

Die Veranstaltung wird wahrscheinlich online stattfinden. Achtet auf Ankündigungen unter folgendem Link:
mehr: Konflikt und Ungelduld - Reihe

22.04.2021, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Kritik und Musik. Mit den Ohren denken nach Adorno
Adorno fühlte sich zeitlebens als Musiker. Zu seinem eigenen Bedauern wurde nur ein berühmter Philosoph aus ihm und kein Komponist. Sein Werk besteht zur Hälfte aus Musikalischen Schriften und zur anderen Hälfte auch, denn Adornos Stil ist stets an kompositorischen Verfahren und an klanglichen Parametern orientiert. Seine Vorliebe fürs Ästhetische brachte Adorno nicht nur mit dem politisch denkenden Horkheimer in Konflikt, sondern auch mit sich selbst - so sehr er die Musik metaphysisch beschwor und höhere Erkenntnis von ihr erwartete, so bewusst war ihm dabei, dass auch die revolutionärste Dissonanz kaum zu realen gesellschaftlichen Veränderungen beiträgt. Oder doch?

Adorno witterte immer wieder autoritäres und faschistisches Potenzial „in Bereichen, die zunächst unmittelbar mit Politik überhaupt nichts zu tun haben, in denen aber Denkstrukturen, Begriffe, Wünsche, Kategorien, Verhaltensweisen konserviert werden“. Darum hat er den Jazz kritisiert, weil dieser Subversion mit Kommerzialisierung und kulturelle Integration mit politischer Emanzipation verwechselte. Darum hat er den Jazz verteidigt, weil dessen musikalische Regressionen immer noch tausendmal progressiver waren als das Renegatentum der deutschen Jugendmusikbewegung, die der Aktivist Adorno engagiert bekämpfte.

Der Vortrag skizziert zunächst rhapsodisch den Konflikt von Musik und Politik bei Adorno. Anschließend stellt er sich und allen, die es hören wollen, Fragen wie diese: Was hat es mit dem „dritten Ohr“ auf sich? Was hat Adorno als musikalischer Direktor der ersten marktwirtschaftlichen Radiostudie in New York gemacht? Was hat Jazz mit Sex zu tun? Worin unterscheidet sich "gute schlechte Musik" von "schlechter guter Musik“?

Vor allem aber: Kann man auch ein halbes Jahrhundert nach Adorno noch mit den Ohren denken und wenn ja: was?!

Iris Dankemeyer ist Autorin und engagiertes Mitglied verschiedener Laien-Chöre. 2020 veröffentlichte sie im Verlag Edition Tiamat das Buch „Die Erotik des Ohrs. Musikalische Erfahrung und Emanzipation nach Adorno“.

Die Veranstaltung wird online stattfinden. Der Link zur Teilnahme bei BigBlueButton findet sich hier:

https://bbb001hz.makeutopia.de/b/bil-qlg-qda-6ux

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" und ist eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
mehr: Kunst, Spektakel & Revolution

22.04.2021, 19.30 Uhr, online
Widerstand im NS: Dietrich Bonhoeffer
In der vierteiligen Filmreihe "Im Fokus" wollen wir 76 Jahre nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus auf den Widerstand von einzelnen Menschen und Gruppen hinweisen und diesen würdigen. Porträtiert werden verschiedene Menschen in Filmen und in der anschließenden Gesprächsrunde.

22.4., 19.30: Dietrich Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffer war Theologe und Pfarrer. Ab April 1933 nahm er öffentlich Stellung gegen die nationalsozialistische Judenverfolgung und engagierte sich im Kirchenkampf gegen die Deutschen Christen und den Arierparagraphen im Berufsbeamtengesetz. Ab 1935 leitete er das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde, das, später illegal, bis 1940 bestand. Etwa ab 1938 schloss er sich dem Widerstand um Wilhelm Franz Canaris an. 1940 erhielt er Redeverbot und 1941 Schreibverbot. Am 5. April 1943 wurde er verhaftet und zwei Jahre später auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers als einer der letzten NS-Gegner, die mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 in Verbindung gebracht wurden, hingerichtet. (Wikipedia)

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Biko mit der Offenen Arbeit Erfurt und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und findet online statt.
Die Software "Big Blue Button" funktioniert am besten mit einem aktuellen Browser. Wir empfehlen die Nutzung eines Headsets. Ein Klick öffnet den Raum, er ist ab 19.00 freigeschaltet.
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26.04.2021, 19:30 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Die Zerstörung der Humanität
Anlässlich des 35. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl erinnern Viktoria Postel und Matthias Weiß daran, dass Katastrophen heute zum Alltag sehr vieler Menschen, vor allem im globalen Süden, gehören.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe »Zukunft Menschheit«, die das Bildungskollektiv Biko in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und der Offenen Arbeit Erfurt durchführt.
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29.04.2021, 19.30 Uhr, online
Das Konzept des Buen Vivir und die Lage in Bolivien
Die diesjährige Werkstatt der Offenen Arbeit steht unter dem Motto „Wie wollen wir leben?“. Doch wer ist „Wir“?

Am Beispiel Boliviens werden in der Veranstaltung die Auseinandersetzungen um das Konzept des Buen Vivir und das gegenteilige Konzept der Entwicklung mit Hilfe des Neoextraktivismus und der wirtschaftlichen Expansion verdeutlicht. Hier geht es um die grundsätzliche Frage des weiteren Entwicklungswegs einer Gesellschaft. Diese Frage betrifft fast alle Staaten des Globalen Südens - und, wenn auch in etwas anderer Form, auch die Menschen im Globalen Norden.
mehr: http://bolivien.arranca.de

06.05.2021, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Kritische Theorie des Hörens
Musikphilosophie und negative Anthropologie
nach Sonnemann - Vortrag von Martin Mettin

Die Geschichte der Philosophie ist eine Geschichte des denkenden Sehens. Zwar bedeutet dieses Sehen Aufklärung, jedoch wächst kulturgeschichtlich zugleich seine Tendenz zum instrumentellen Registrieren, zur „Okulartyrannis“. Es sind die im Zuge dieses Prozesses vernachlässigten Potentiale des Hörens, die einen kritischen Einspruch gegen solche Verdinglichung geltend machen können. Martin Mettin nimmt diese These der späten Arbeiten Ulrich Sonnemanns zum Ausgangspunkt, um der Untergrundgeschichte einer verdrängten Philosophie des Hörens nachzuspüren. Aufklärung erweist sich hier als Forderung nach Hellhörigkeit, nach einer sensiblen Aufmerksamkeit für die von Widersprüchen verdunkelte Welt.

Martin Mettin arbeitet zu einer materialistischen Philosophie der Sinnlichkeit und promovierte über die späten Arbeiten Ulrich Sonnemanns. 2020 veröffentlichte er das Buch „Kritische Theorie des Hörens. Untersuchungen zur Philosophie Ulrich Sonnemanns“ (Metzler Verlag), das er im Vortrag vorstellen wird.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" und ist eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen. Bitte achtet auf Ankündigungen im Netz: Die Veranstaltungsreihe ist als Mischform aus Online- und Präsenzveranstaltungen geplant. Corona-bedingt kann es zu Änderungen kommen.
mehr: Kunst, Spektakel & Revolution

08.05.2021, 11:00 Uhr, Halle - Kröllwitz (Leuna)
Auf den Spuren der mitteldeutschen Märzkämpfe 1921
Fahrradtour von Halle in Richtung Leuna mit Bernd Langer (Berlin) und Lukas Holfeld (Halle)

Die mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 zeugen davon, dass einerseits Kommunist*innen und Linkskommunist*innen in der mitteldeutschen Region stark vertreten waren, andererseits davon, dass hier Arbeiter*innen dazu bereit waren, Konflikte in Form von Streiks und zum Teil bewaffnet auszutragen. Diese Kämpfe und insbesondere die Auseinandersetzungen um das Leuna-Werk bei Halle haben kaum sichtbare Spuren hinterlassen. Doch es gibt einige Gedenksteine für die Gefallenen von 1921, die jedoch oft versteckt und vergessen sind. Wir wollen euch auf eine Fahrradtour einladen, auf der wir einerseits Gedenkorte aufsuchen, in der wir andererseits in die Geschichte der Märzkämpfe von 1921 einführen wollen.

Wir bitten um Voranmeldung per Email: lukas[dot]holfeld[at]radiocorax[dot]de - Genauer Treffpunkt und Ablauf werden dann zugesandt.

Eine Kooperation der RLS-Landesstiftungen Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen und des Bildungskollektivs.
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10.05.2021, 19.30 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Eine kurze Menschheitsgeschichte vom Neolithikum zum Anthropozän
Wann und unter welchen Umständen begann der Aufstieg der Menschheit zur weltbeherrschende Spezies und welche Konsequenzen hatte dies in der Vergangenheit und hat dies in der Gegenwart? Führt der Fortgang der Geschichte in die Katastrophe, ins Nichts oder sind wir als Menschheit in der Lage und bereit den Gang der Geschichte zu verändern? Bernd Löffler diskutiert diese Fragen bei dieser Veranstaltung im Rahmen der Reihe »Zukunft Menschheit«.

Die Reihe wird vom Bildungskollektiv Biko in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und der Offenen Arbeit Erfurt durchführt.
mehr: zur Reihe »Zukunft Menschheit«

11.05.2021, 19.30 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Wally oder Skynet? Zur Zukunft künstlicher Intelligenz
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Zukunft Menschheit« spricht das Çapulcu-Kollektiv über Künstliche Intelligenz -- so zumindest das Mantra von Forscher*innen, Politik und Wirtschaft -- alle Menschheitsprobleme lösen soll. Wirklich? Gibt es da nicht noch einige politische Fragen vorher zu diskutieren? Zum Beispiel: was kann, was darf Künstliche Intelligenz? Wem soll sie dienen - dem kapitalistischen Akkumulationszwang oder einer freien Gesellschaft? Wer entscheidet darüber? Welche konkreten Vorstellungen und Vorschläge gibt es jetzt? Und was ist in der Zukunft noch zu erwarten? Über diese und weitere Fragen spricht bei der folgenden Veranstaltung am 11.5. das Çapulcu-Kollektiv.

Die Reihe wird vom Bildungskollektiv Biko in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und der Offenen Arbeit Erfurt durchführt.
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13.05.2021, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Politik und Ästhetik in Luigi Nonos experimentellem Musiktheater
„Die Revolution ist der Schönheit nicht entgegengesetzt“ heißt es am Anfang von Luigi Nonos zweitem großen Musiktheaterstück. Mit diesem Satz ist das Feld von Fragen nach dem Verhältnis von Politik und Ästhetik eröffnet, das ich in dem Vortrag beleuchten möchte.

Luigi Nono, der zur Avantgarde der Neuen Musik seit den 1950er Jahren gehörte, zeichnet sich nicht nur durch einen unkonventionellen Umgang mit dem Verhältnis von Politik und Ästhetik aus, sondern auch durch den Entwurf eines neuen Verhältnisses von Theater und Musik, von kompositorischer Form und Aufführung.

Anhand einiger musiktheatraler Kompositionen, unter anderem Al gran sole carico d’amore, möchte ich zeigen, wie er diese Form nutzt, um das Glücken und Scheitern von Revolutionen und Aufständen im Theaterraum und die Verschiebungen im politischen Gefüge Ende der 1960er Jahre zur Reflektion zu bringen.

Nono orientierte sich in seinem Konzept von politischem Musiktheater an der italienischen Resistenza-Bewegung, an Antonio Gramsci und später an Walter Benjamins geschichtsphilosophischen Überlegungen.

Vortrag mit Musikbeispielen, Photographien und Video-Ausschnitten und anschließender Diskussion.

Irene Lehmann arbeitet zum Musiktheater und politischen Theater des 20. und 21. Jahrhunderts, Performance-Kunst und Geschlechterverhältnissen. 2019 veröffentlichte sie das Buch „Auf der Suche nach einem neuen Musiktheater. Politik und Ästhetik in Luigi Nonos musiktheatralen Arbeiten zwischen 1960 und 1975“.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" und ist eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen. Bitte achtet auf Ankündigungen im Netz: Die Veranstaltungsreihe ist als Mischform aus Online- und Präsenzveranstaltungen geplant. Corona-bedingt kann es zu Änderungen kommen.
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18.05.2021, 19.30 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Biotechnologie, Transhumanismus, Cyborgs und andere Monster
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Zukunft Menschheit« spricht Cornelia Schadler spricht am 7.5. über Biotechnologie, Transhumanismus, Cyborgs und andere Monster. Es geht um gegenwärtige biotechnologische Entwicklungen und die damit verbundenen Probleme und Hoffnungen: Parallel zur Steigerung der menschlichen Arbeitskraft durch Maschinen entwickeln sich derzeit Technologien, die direkt in die organische Materialität von Menschen und Tieren eingreifen, um deren Produktions- und Reproduktionskraft zu steigern. Das erweitert den planenden Zugriff auf mögliche Formen des Mensch-Seins. Wir diskutieren am 7.5., welche sozialen Folgen das hat, welche Hoffnungen daran daran geknüpft werden und welche Probleme entstehen.

Die Reihe wird vom Bildungskollektiv Biko in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und der Offenen Arbeit Erfurt durchführt.
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19.05.2021, 20:00 Uhr, Online oder Präsenz
Auf dem Weg zum Rätekommunismus
Die Märzkämpfe, der Zerfall der KAPD und die Entstehung einer neuen Kritik - Vortrag von Felix Klopotek

Die Märzkämpfe 1921 in »Mitteldeutschland« gelten als Beweis, dass es eine rätekommunistische Arbeiterbewegung gegeben hat und die sie repräsentierende Partei, die linksradikale KPD-Abspaltung KAPD, die dazugehörige Theorie und Strategie formulierte. Wäre dem so, dann wäre es mit dem Rätekommunismus nicht weit her. Denn die Märzkämpfe endeten in einem Desaster für die aufständischen Arbeiter, und die KAPD erwies sich als unfähig, diese Niederlage im Rahmen einer kohärenten Theorie zu analysieren. Und tatsächlich: Erst als Reaktion darauf und insbesondere auf den Zerfall der KAPD entstand der eigentliche Rätekommunismus - nicht als »Arbeiterbewegung«, sondern als Reflexionsform der Niederlage und also Neubestimmung proletarischer Kämpfe.
Die Entstehung dieser Reflexionsform soll anhand dieser Fragestellungen nachvollzogen werden: Wie schätzte die KAPD die März-Aktion ein? Warum verrannte sie sich in ihrem Aktionismus und was hinderte sie an der Aufarbeitung der Niederlage? Schließlich: Worin bestanden die Schlussfolgerungen, die erst Jahre später, etwa nach 1927/28, den Übergang zur kohärenten rätekommunistischen Theorie der »deutsch-holländischen Linken« ermöglichte? Unsere These ist: Diese Schlussfolgerungen waren dermaßen kühn und visionär, dass sie damals notwendig marginalisiert blieben, aber Relevanz noch für unsere Zeit beanspruchen können.

Felix Klopotek ist Autor und lebt in Köln. Im Frühjahr 2021 veröffentlicht er im Schmetterling Verlag das Buch „Rätekommunismus. Geschichte und Theorie“.

Eine Kooperation der RLS-Landesstiftungen Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen und des Bildungskollektivs.

Die Veranstaltung wird online oder in Präsenz stattfinden. Achtet auf Ankündigungen unter folgendem Link:
mehr: Konflikt und Ungelduld - Reihe

10.06.2021, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Körpergedächtnis und Vokalperformance statt schriftfixierter Werkpartitur
Vortrag über Meredith Monk von Marie-Anne Kohl

Die multidisziplinär arbeitende Künstlerin Meredith Monk hat sich in ihrer bald 60-jährigen Karriere vor allem als Komponistin und Pionierin der vokalen Performancekunst einen Namen gemacht. Musik entsteht bei ihr in der Regel nicht auf dem Papier, sondern stets als aktive Tätigkeit in Auseinandersetzung mit der individuellen Stimme, in der Proben-Arbeit mit ihren Ensembles, und somit als primär somatische Aktivität. Ihre Kompositionen, ihre häufig multidisziplinär angelegten Musiktheater-Arbeiten, sind so weniger als fixierte Werke zu verstehen, vielmehr stehen eine gewisse Flexibilität und interpretatorische Freiheiten von vorstrukturierten musikalischen Patterns in den Proben und Aufführungen ihrer Musik im Mittelpunkt. Von zentraler Bedeutung ist dabei das so genannte Körpergedächtnis, die „in-the-bone-quality“ (Monk) ihrer Musik. Auch aufgrund dieses Unterlaufens der Idee eines schriftfixierten Werkprimaten durch ihre künstlerische Praxis wurden und werden Monks Arbeiten häufig in einem feministischen Kontext gelesen. Unter diesen Aspekten wird der Vortrag in Leben und Werk von Meredith Monk einführen.

Marie-Anne Kohl arbeitet am Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth. Sie ist Autorin des Buches „Vokale Performancekunst als feministische Praxis: Meredith Monk und das künstlerische Kräftefeld in Downtown New York, 1964-1979“ (Transcript, 2015).

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" und ist eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen. Bitte achtet auf Ankündigungen im Netz: Die Veranstaltungsreihe ist als Mischform aus Online- und Präsenzveranstaltungen geplant. Corona-bedingt kann es zu Änderungen kommen.
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10.06.2021, 19:30 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Ein neues Zeitalter - Das Anthropozän?
Das menschliche Wirken reicht mit einer enormen Gewalt bis ins Innerste der natürlichen Systeme und Prozesse. Es scheint, als habe der menschliche Einfluss die Vorstellung überholt, die Natur sei ein sich selbst regulierendes System, welches sich steuert und reproduziert. Der Mensch sei zwar selbst Teil der Natur, habe aber auf Grund seiner Entwicklung die Möglichkeit, natürliche Entwicklungen durch wissenschaftliche Forschung und Erkenntnisse zu beeinflussen, wenn nicht sogar grundlegend zu verändern. Und zwar im Interesse des Menschheitsfortschritts. Die sich verschärfenden ökologischen Krisen (Klima, Artenschwund, Wasserverschmutzung usw.) weisen jedoch im Kontext mit anderen Krisenprozessen darauf hin, dass dies nicht ohne Folgen bleibt.
In diesem Zusammenhang wird seit einiger Zeit über die Vorstellung eines neuen Erdzeitalters diskutiert - das Zeitalter des Anthropozän. In der Veranstaltung wird erläutert, was diese Hypothese beinhaltet und welche Konsequenzen sich aus ihr ergeben. Es wird nach Wegen gesucht, die einen neuen Umgang des Menschen mit der Natur ermöglichen.

Die Veranstaltung ist ein Kooperationsprojekt der Offenen Arbeit Erfurt, der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und des Biko e.V.
Sie kann nur unter den rechtlichen Vorgaben zur Pandemiebekämpfung durchgeführt werden.
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11.-13.06.2021, Bildungsreise
Bildungsreise: Die ökologische Krise und eine andere Perspektive - Das Biosphärenreservat Rhön
Im Zusammenhang mit den sich verschärfenden ökologischen Krisen geraten bisherige Naturschutzprojekte einerseits unter Druck, auf der anderen Seite gewinnen sie aber immer mehr an Bedeutung. Während nach wie vor in Entscheidungsfragen zwischen wirtschaftlichen Entwicklungsprozessen einerseits und Naturschutz andererseits, meist die Ökonomie die Oberhand behält, wird jedoch aus der Gesellschaft heraus der Ruf nach Schutz und Ausweitung natürlicher Räume immer stärker. Wir wollen auf dieser Reise in das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön ein Beispiel einer anderen Herangehensweise im Mensch-Natur-Verhältnis betrachten und diskutieren.

Termin: 11.-13.06.2021

Verbindliche Anmeldung bis 30.04. Die Anmeldung wird mit der Überweisung des Teilnahmebeitrags wirksam.
Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 15 begrenzt.

Teilnahmebeitrag: 87 € pro Person. Darin enthalten sind Übernachtungen und Frühstück im Landgasthof. Bei Absage der Teilnahme nach dem 27.05. oder Nichtteilnahme kann der Teilnahmebeitrag nicht rückerstattet werden.

Kontakt für Anmeldung und Nachfragen: Bernd.Loeffler-LS-TH@rosalux.org

Die Bildungsreise ist ein Kooperationsprojekt der Offenen Arbeit Erfurt, der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und des Biko e.V.
Sie kann nur unter den rechtlichen Vorgaben zur Pandemiebekämpfung durchgeführt werden
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24.06.2021, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Modernistische Rationalität und Überwältigung
Vortrag über das Werk von Iannis Xenakis

Der 1922 geborene griechisch- französische Komponist Iannis Xenakis ist eine der großen Figuren in der Musik des 20ten Jahrhundert - und ein offener Geiste: als ausgebildeter Bauingenieur liebte er Mathematik und Architektur: beides spiegelt sich in seiner Musik wider: mathematisch organisiert und doch im höchsten Grade emotional und intensiv. Überwältigende Klangmassen wie Glissando-felder dominieren insbesondere seine über vierzig Orchesterwerke, aber auch seine elektronische Musik: Heutzutage würde man wohl von immersiver Kunst sprechen. Xenakis erfand architektonische Formen für Le Corbusier, elektronische Klangsynthesen, multimediale Spektakel und kompositorische Techniken (das vollständige Divisi der Orchesters). Die Schallplatten seiner Musik sind heute Sammlerstücke. Vor dem Hintergrund seiner Biographie als griechischer Widerstandskämpfer und Emigrant wird anhand ausgewählter Stücke Xenakis‘ berauschende Klangwelt vorgestellt und einige seiner kompositorisch-technischen Tricks verraten. Modernistische Rationalität zur Überwältigung des Hörers!

Reinhold Friedl studierte Komposition, Klavier und Mathematik, Promotion zum elektroakustischen Werk von Iannis Xenakis an der Goldsmiths University London. Neben seiner Kompositionstätigkeit (Aufträge des französischen Staates, der BBC, der Landes Berlin, etc.) konzertiert er solistisch und mit seinem Ensemble zeitkratzer weltweit. Zahlreiche CD- und Schallplatten-Veröffentlichungen und diverse Artikel zur Musik Iannis Xenakis‘. www.reinhold-friedl.de

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" und ist eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen. Bitte achtet auf Ankündigungen im Netz: Die Veranstaltungsreihe ist als Mischform aus Online- und Präsenzveranstaltungen geplant. Corona-bedingt kann es zu Änderungen kommen.
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25. – 27.06.2021, Halle (Saale)
Rätebewegung und kommunistische Produktionsweise
Die Rätetheorie im Zusammenhang moderner Vorstellungen einer demokratischen Planwirtschaft - Wochenendseminar mit Jakbo Koekepann (Leipzig)

Der Wochenend-Workshop hat zwei Ausgangspunkte. Erstens die Rätebewegung und Rätetheorie in Deutschland, zweitens das moderne Denken über die kommunistische Produktionsweise als demokratischer Planwirtschaft.

I.) Die Novemberrevolution und die ihr nachfolgenden Kämpfe waren das Ambitionierteste und Weitgehenste, was die revolutionäre sozialistische Bewegung in Deutschland je hervorgebracht hat.

Obwohl die Rätebewegung zunächst selbst für liberale Demokratie votiert hatte, hatte sie zugleich immer auf »Sozialisierung« gepocht. Im Gegensatz zur Ebene der territorialen Arbeiter-und Soldatenräte war die Arbeiterschaft in der Folge auch nicht bereit, ihre auf der Ebene der Betriebe errungene Macht in der gleichen Weise aufzugeben - was in ihrer blutigen Niederschlagung durch die MSPD-Führung in Zusammenarbeit mit rechtsradikalen Kräften mündete, wovon die Märzkämpfe eines von zahlreichen Beispielen sind.

Obwohl das das revolutionäre Projekt in Deutschland scheiterte und keine langfristige, substanzielle Umwälzung der kapitalistischen Produktionsweise etablieren konnte, sind die kurzen praktischen Erfahrungen, und allem ihre theoretische Konzeptionierung eine wichtige Quelle für das moderne Denken über die kommunistische Produktionsweise. Hier sind die Ausarbeitungen von Richard Müller und Karl Korsch gemeint, die sich im Workshop gemeinsam angeeignet werden sollen. Ihre Konzeptionen einer demokratische Planwirtschaft zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Verabsolutierung sowohl der zentralen Ebene der Gesamtgesellschaft, als auch der dezentralen Ebene des Betriebs zu überwinden streben, und auf ihre Vermittlung pochen.

II.) Es gibt zwei Gründe, warum diese Theorietradition mit modernen Theorien über die kommunistische Produktionsweise vereint werden können und müssen. Erstens sind die Rätetheorien in dem Punkt, der sie als spezifisch progressiv auszeichnet - der Vermittlung von dezentraler und zentraler Ebene - ausgesprochen kongruent mit den modernen Theorien. Zweitens sind die Rätetheorien defizitär, insofern die konkreten Formen der Wirtschaftsplanung in ihnen unklar bleiben. Die modernen Theorien knüpfen genau dort an, wo die Rätetheorien aufgehört haben.

Die modernen Theorien über die kommunistische Produktionsweise als demokratischer Planwirtschaft sind insbesondere seit dem Fall der Sowjetunion, von marxistischen Ökonomen im englischsprachigen Raum entwickelt worden. Sie basieren auf der breitesten Reflexion sowohl der historischen Erfahrungen, als auch der ökonomischen Debatten, sind aber im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannt. Hier sind die Ausarbeitungen von Pat Devine und David Laibman gemeint - im Workshop sollen sich diese Überlegungen gemeinsam angeeignet werden.

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussion um moderne Sozialismus-Konzeptionen, die im Wesentlichen zerfällt in einen zeitgenössischen utopischen Sozialismus einerseits, der sich vor allem durch abstrakte Phrasen auszeichnet und einen Marktsozialismsus andererseits, der die substanzielle Struktur der kapitalistischen Produktionsweise als Marktwirtschaft nicht zu überwinden imstande ist, argumentieren sie für eine demokratische Planwirtschaft, die sich dadurch auszeichnet, dass sie dezentrale und zentrale Ebene miteinander vermittelt. Im zentralen Theorem des lokalen Wissens zeigt sich als ökonomische Notwendigkeit, wofür schon die Rätetheorien argumentiert haben. All dies soll im Workshop eingehend erarbeitet und diskutiert werden.

Jakbo Koekepann arbeitet seit einigen Jahren zur Frage nach den konkreten Strukturen einer postkapitalistischen Produktionsweise und bereitet gerade seine Promotion zu diesem Thema vor.

Wir bitten um eine Voranmeldung per Email: lukas[dot]holfeld[at]radiocorax[dot]de. Genauer Ablauf und Reader werden euch dann zugeschickt.

Eine Kooperation der RLS-Landesstiftungen Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen und des Bildungskollektivs.
mehr: Konflikt und Ungelduld - Reihe

01.07.2021, 16:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Hinaus auf die Straße, hinein in die Kämpfe
Kommunismus und Neue Musik der 1960er und 70er Jahre

Zu Beginn der 60er Jahre hatte die Neue Musik in ihrer Auseinandersetzung mit sich selbst ein Niveau erreicht, das den Übergang zur gesellschaftlichen Frage fast zwingend nahelegte: Es gab schlicht keine Regeln des Komponierens und der Aufführung mehr, die nicht hinterfragt wurden, und je mehr die Komponistinnen und Komponisten neue Parameter festlegten, desto stärker wurde ihr ästhetisch willkürlicher - oder positiv formuliert: ihr offener Charakter deutlich. Die Regeln erwiesen sich als genuin soziale, weil ihre Legitimation durch einen Kanon überlieferter Techniken und ästhetischer Maximen zunehmend scheiterte, einfach obsolet wurde. Musikspielen konnte somit unverstellt als ein kollektiver Akt begriffen werden, die Rolle des Interpreten als abhängige Variable ließ sich nicht länger aufrechterhalten.

Als »1968« die Leute auf die Straßen gingen und gegen die überlieferten Regeln des Miteinanders aufbegehrten, gab es nicht wenige »Avantgarde-Musiker«, denen sich im Ereignis der globalen Revolte der Sinn ihrer Musik neu erschloss: Die Musik zeigte sich ihnen als Utopie (Vorwegnahme) wie Medium (Kommunikationskanal) einer befreiten Gesellschaft. Für einen historischen Moment wurde diese Avantgarde egalitär und anti-institutionell, und man konnte unbefangen über den Zusammenhang von John Cage und Arbeiterbewegung nachdenken.

Diese Bewegung ist gescheitert, aber eigentlich alles an ihr ist unabgegolten. Vielleicht gerade weil sie längst dokumentierter Teil der Musikgeschichte geworden ist (also den einst verhassten Institutionen überlassen wurde), ist sie nie systematisch von jüngeren Linken aufgearbeitet worden. Felix Klopotek wird Material zum Verständnis dieser Bewegung vorstellen.

Felix Klopotek ist Autor und Journalist und lebt in Köln. Er veröffentlichte u.a. das Buch „How they do it. Free Jazz, Improvisation und Niemandsmusik“ (Ventil Verlag, 2002).

ACHTUNG: Die Veranstaltung ist eine Mischung aus Vortrag und Workshop und beginnt bereits um 16:00 Uhr. Die TeilnehmerInnenzahl ist begrenzt, wir bitten daher um Anmeldung über: biko[at]arranca[dot]de

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" und ist eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen. Bitte achtet auf Ankündigungen im Netz: Die Veranstaltungsreihe ist als Mischform aus Online- und Präsenzveranstaltungen geplant. Corona-bedingt kann es zu Änderungen kommen.
mehr: Kunst, Spektakel & Revolution

02.-04.07.2021, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Schönberg - Einführung in die klassische Musik
Der Prophet Schönberg hat der Nachwelt einige Rätsel hinterlassen. Vorbei ist die klassische Musik, wie wir sie kannten, die um einen Grundton kreisende Harmonik ist schal geworden. Die musikalische Erfassung und Darstellung unserer Welt, indem man Quinten und Terzen als Gerüst nimmt, wirkt nunmehr so platt wie assyrische Menschendarstellungen. Und doch tut man sich schwer, daraus geeignete Konsequenzen zu ziehen. Die damals neue Musik stiftet keinen neuen Zusammenhang. Ohne jedes neue positive System ist sie experimentell erarbeitet und durch extrem gutes Gehör und Formgefühl justiert. Es gibt zwar schließlich eine von Schönberg entwickelte Methode, mit 12 Tönen zu komponieren, aber er charakterisiert sie eher als eine private Krücke, die ihm dabei half, nicht implizite wieder in den Sog der alten tonalen Welt zu geraten, der er eben kaum entronnen war. Im Grunde bildet seine Musik den Beginn einer Epoche, die nie beginnen wollte und hinter die es kein Zurück gibt.

Vielleicht gerade weil Schönberg in seinem Schaffen einige neue, im Grunde revolutionäre Wege ging, gibt es bei ihm einen konservativen Bezug auf die Werke der alten Meister. Seinen Schülern mutete er das Studium der klassischen Harmonie und des klassischen Kontrapunkt zu. Jeder Schritt muss praktisch nachvollzogen werden, kein Gesetz durfte ohne Not gebrochen werden, die neue Musik solle durch immanente Negation der alten Musik geschrieben werden. Jeder muss von vorne anfangen, jeden Schritt selbst gehen. Seine Schriften eignen sich daher sehr gut für eine Einführung in die abendländische Musik. Neben einer Harmonielehre und einer Kontrapunktlehre hat er auch einige gut geschriebene Essais hinterlassen, die gerade interessierten Laien nützlich sind. Für solche ist das Seminar gedacht, aber es dürfen gerne auch Leute kommen, die vom Fach sind. Lektüre der Texte ist nicht Bedingung des Erscheinens.

ACHTUNG: Die TeilnehmerInnenanzahl ist beschränkt, wir bitten daher um eine Anmeldung über: biko[at]arranca[dot]de

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" und ist eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen. Bitte achtet auf Ankündigungen im Netz: Die Veranstaltungsreihe ist als Mischform aus Online- und Präsenzveranstaltungen geplant. Corona-bedingt kann es zu Änderungen kommen.
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15.07.2021, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Abschaum: Über Punk
Punkgeschichte ist die unterirdische Geschichte des Pop, Ausdruck der Dialektik der (bürgerlichen) Kultur in ihrem Zerfall; Punkgeschichte als eine Aneinanderreihung von Vexierbildern, auf denen sich Inszenierungen der Avantgarde und des Konformismus zeigen. - Punk ist die politisch-ästhetische Konsequenz der kulturellen Logik des Spätkapitalismus, ist als »Soundtrack zum Untergang« zugleich das Spektakel eines auf Verewigung festgestellten Kapitalismus in seiner vermeintlich extremsten Form; die alte Punk-Parole »No Future« ist wahr und falsch zugleich. Punk ist Kunst und Antikunst, und wie diese interessant und banal. Punk begleitet und konterkariert die emanzipatorische Linke; die Signatur der Punkgeschichte ist die Rückkopplung von Fortschritt, Regression und Stillstand im selben Augenblick. - Der Vortrag versucht, Punk und seine Geschichte zu rekonstruieren.

Roger Behrens ist Autor und Publizist und lebt in Hamburg. Er ist u.a. Autor des Buches „Pop Kultur Industrie. Zur Philosophie der populären Musik“ (Königshausen & Neumann, 1996).

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" und ist eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen. Bitte achtet auf Ankündigungen im Netz: Die Veranstaltungsreihe ist als Mischform aus Online- und Präsenzveranstaltungen geplant. Corona-bedingt kann es zu Änderungen kommen.
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22.07.2021, 19:30 Uhr
Literarische Zukunftsreise
Als Abschluss der Reihe »Zukunft Menschheit« lädt das Biko zu einer literarischen Reise in die Zukunft. Wir laden Menschen aus unserem Umfeld ein, eigene Gedanken oder Lesestücke aus den Büchern verschiedener Autor*innen vorzutragen. Denn die Zukunft der Menschheit sollte doch ein Kunstwerk werden. Oder?

Die Reihe wird vom Bildungskollektiv Biko in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und der Offenen Arbeit Erfurt durchführt.
mehr: http://zukunftmenschheit.arranca.de

29.07.2021, 20:00 Uhr, ACC-Galerie (Burgplatz 1, Weimar)
Music of the Living Dead
Im Heavy Metal der 80er Jahre besingen Männer mit langen Haaren und schmierigen Lederkutten den dunklen Lord, er möge ihnen einen Pakt anbieten, um den eigenen Tod besiegen und an seiner Allmacht partizipieren zu können - und das nicht selten im Falsett. Dem Teufel Frauen zu opfern, gilt als das bestialische Äquivalent, das zu erbringen die eisernen Männer sich willfährig bereit erklären.

Im Brutal Death Metal Mitte der 90er - der wohl krassesten, substilistischen Ausformung des Heavy Metals - gibt man sich oft mit Glatzen, düsteren Mienen und dicken, tätowierten Armen zwar männlicher als je zuvor, aber eben auch säkular und profan. Töten mit Hacken, chirurgischen Instrumenten und nicht zuletzt mit dem eigenen Genital setzt sich hier als Selbstzweck. Das Unwesen, welchem man sich hier anzuverwandeln versucht, ist das Kapital selbst nach der Seite seiner technischen Zusammensetzung: die maschinellen Produktionsmittel, das tote Kapital. Seinem blinden Voranschreiten gleich zu werden, darin feiert das männliche Subjekt des Brutal Death Metal einerseits seinen Sieg über seine sterbliche Natur. Am Instrument als Naturbeherrscher und als beherrschte Natur zugleich gerät es aber in einen Widerspruch mit sich selbst und zelebriert andererseits seinen eigenen Tod.

So erklingt im Brutal Death Metal sowohl stets eine Spannung zwischen Maschinellem und Organischem als auch der Versuch, ihre Differenz zu tilgen. Dafür büßen, dass der Versuch misslingt, sich über das natürliche Leben zu erheben, muss: die Frau. Darin erweist man sich jeder Säkularisierung zum Trotz als traditionalistisch.

War der Zombie schon immer der Ausdruck dafür, dass sowohl Leben und Tod des Menschen sich nicht mehr recht unterscheiden lassen als auch für dessen blindes Weitermachen ohne Grund (denn der Zombie frisst nur um zu fressen, weil er nicht verhungern kann) so lässt sich Brutal Death Metal als die Musik von Untoten begreifen. Zur Behandlung dieser These wird sich im Vortrag vor allem auf die Analyse des musikalischen Materials bezogen. Neben einer musikgeschichtlichen Einordnung des Brutal Death Metal werden Szene-übliche Accessoires, Hörbeispiele und Videos präsentiert - und ‚live‘ Gitarre gespielt.

Patrick Viol ist u.a. Autor des Extrablatts und Autor des Artikels „Music Of The Living Dead. Die Angleichung von Leben und Tod im Brutal Death Metal“.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Kunst, Spektakel & Revolution" und ist eine Kooperation des Bildungskollektivs mit der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen. Bitte achtet auf Ankündigungen im Netz: Die Veranstaltungsreihe ist als Mischform aus Online- und Präsenzveranstaltungen geplant. Corona-bedingt kann es zu Änderungen kommen.
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23.09.2021, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Geschichte von Unten - Die Romane des Autorenkollektivs Wu Ming
Der berühmte Roman „Q“ machte das Kollektiv Wu Ming (damals Luther Blissett) berühmt. Es folgten weitere Romane, die alle das gleiche Ziel vertraten: Eine andere Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte aus der Sicht der Besiegten, der unbekannt gebliebenen Revolutionäre. Dies nicht als historische Abhandlung, sondern als spannend erzählte Geschichte(n). Der Vortrag soll eine Übersicht über die erschienenen Bücher, ihre Inhalte und Held*innen vermitteln.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Offenen Arbeit Erfurt und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen statt.

30.09.2021, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Mexico - Nach der Wahl von AMLO zum Präsidenten.
Die Staaten Mittel- und Südamerikas bleiben in Bewegung. Rechte, zum Teil faschistoide Regierungen stehen starken sozialen, indigenen und feministischen Bewegungen gegenüber. Die linken Regierungen der 2000er Jahr haben sich entweder neoliberal „gewendet“ (Ecuador, Uruguay), ihre Ideale „vergessen“ (Bolivien) oder ihren Staat in Grund und Boden gewirtschaftet (Venezuela). Die Linke Lateinamerikas befindet sich wieder einmal in einem Suchprozess.

Mexico - Nach der Wahl von AMLO zum Präsidenten.
Die vielen ungelösten Probleme: Trumps Mauer, Drogenkrieg, Zapatistas…

Die Veranstaltung wird vom Bildungskollektiv Biko in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und der Offenen Arbeit Erfurt durchführt.